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Interview mit Martin Jondo
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Interview mit Martin Jondo
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“Meine Musik kommt aus dem Herzen”. Im letzten Jahr begeisterte Martin Jondo (30) nicht nur hierzulande mit seinem Akustik-Album “Pure”. Jetzt ist seine neue Scheibe “Skyrider” draußen, auf der eine gelungene Mischung aus Reggae, Pop, aber auch Funk und rockigen Gitarrenriffs zu hören ist. Schon die erste Single-Auskopplung “Cherry” sorgt für gute Laune und kriecht schnell in den Gehörgang. Noch ein wenig müde von der Release-Party am Vorabend nahm sich Martin die Zeit für ein ausführliches Interview mit mir.

 

Dein Album “Skyrider” - benannt nach dem gleichnamigen Songtitel - ist seit gestern draußen. Warum hast du dein Album ausgerechnet danach benannt?
Natürlich einmal wegen des Songs, aber auch weil das ganze Album unter dem Titel “Skyrider”, also “Himmelsreiter” für mich gelaufen ist. Rein textlich, aber auch musikalisch habe ich da einfach eine gewisse Luftigkeit reingebracht. Deshalb passte das einfach: Vom “Rainbow Warrior” über “Echo & Smoke” bin ich jetzt beim “Skyrider” angekommen.

Du sprachst gerade von “Luftigkeit”. Man könnte natürlich auch sagen, das Album ist poppiger und mainstreamiger geworden... Auf youtube schrieben Fans zu deinem aktuellen Video “Cherry” auch Kommentare wie “Oh Mann, jetzt macht er ja gar keinen richtigen Reggae mehr”. Dabei warst Du eigentlich nie ein reiner Reggaekünstler, oder?
Ja, das ist schon mal schön gesehen und schön gehört (lacht). Natürlich gibt es immer Leute, die da etwas nicht richtig verstehen oder verstehen wollen, aber ich mach auch nicht Musik um den Leuten irgendwas einzubläuen, sondern weil ich daran selbst glaube und ein Gefühl in mir trage. Kann schon sein, dass das Album vom Klang her poppiger geworden ist. Pop ist ja auch einfach eine gute Musik, muss man an dieser Stelle sagen. Das ist aufgeräumte, klare Musik mit klaren Melodien, ohne viel Schnickschnack und einfach darauf beschränkt, wie’s sein soll. Bei mir war die Gitarre der rote Faden, aber wenn man als Singer/Songwriter drum herum spielt, kommt man beim Pop an.

Du siehst dich also schon eher im Singer/Songwriter-Bereich? Oder könnte man da auch eine ganz neue Schublade aufmachen?
Ja, ich mach dann Skyriding Music. Das ist jetzt mein neuer Style! (lacht) Auch wenn ich vom Rhythmus her ganz klare Grundlagen aus der Reggae-Musik habe, würde ich schon sagen, dass ich tatsächlich eher ein Singer/Songwriter bin. Und wenn man Singer/Songwriter-Musik, wie z.B. Tracy Chapmans “Talkin’ about revolution,” ausproduziert, ist das Popmusik. So ist das einfach.

Es wird dann aber auch immer gern gesagt: “Ach, der Martin macht jetzt Pop um in die Charts zu kommen.”  Immerhin hört man dich jetzt auch im Radio...
So ist das. Man entwickelt sich natürlich weiter. Ich bin ja kein beschränkter Typ, der immer auf der Stelle trampeln will. Wie gesagt, ich mache Musik nicht um Leute zu beeindrucken oder zu begeistern, sondern weil ICH das gut finde und daran glaube. Das bringe ich dann auch raus. Wenn Leute sagen: “Uuh, er will jetzt dies oder das”, ist das deren Ansicht und das ist auch völlig in Ordnung, weil jeder ja sozusagen seine eigenen Gewürze auf seinen Teller bringen kann. Wenn’s ihnen nicht schmeckt, müssen sie es ja auch nicht essen. Ich bin ja kein Koch, der sagt: “Ey, ihr esst jetzt das, was auf den Tisch kommt!” und ich hab da auch kein Glutamat reingetan, damit das Ganze besser knallt, oder so (lacht). Ich hab einfach nur Musik aus dem Herzen gemacht.

Wenn man etwas über dich liest, steht da jedesmal etwas von deiner innigen Verbindung zum Rastafari-Glauben. Ist die wirklich so innig???
Nee, die Medien müssen sich ja an irgendetwas aufhängen, auch wenn sie es selbst nicht verstehen. Ich werde ganz oft als bekennender Rastafari bezeichnet, aber da fällt mir doch glatt mal auf: Ich hab keine Dreadlocks und bin auch nicht schwarz. Und oh: Ich glaube gar nicht an Haile Selassie I. und will auch nicht zurück nach Afrika...

Und Vegetarier bist du dann vermutlich auch nicht? ;-)
Äh...nee. (lacht) Ich gehöre keiner Rasta-Gruppe an, weder den Bobo Ashantis noch den Twelve Tribes Of Israel. Ich teile mit ihnen höchsten viel von der Welteinstellung. Für die sind z. B. Communities, Bruderschaft und Familie sehr wichtig und auch das Leben im Einklang mit der Natur, sowie eine gewisse internationale Einstellung. Da kann ich dann wiederum sehr viel mit anfangen, auch hinsichtlich der Reggaemusik. Ich mache aber keine Musik mit Glauben und möchte diesen da auch nicht vertreten oder gar verbreiten. Das ist für mich eher Privatsache.

Bist du denn schon mal auf Jamaika gewesen?
Nee, da wiederum würde ich mich dann als heimlichen Rastafari bezeichnen, der solange wartet, bis die Jamaikaner mir ein Ticket kaufen und sagen: “Du kommst jetzt hierher!” (Lacht) So wie die Rastas eben auch warten, bis sie nach Äthiopien gehen. Das ist für mich schon was Besonderes. Ich bin hier mit der Musik groß geworden, also mehr mit der Musik, als mit den Menschen, und ich habe einen unheimlich großen Respekt davor. Deswegen sage ich auch immer wieder: Ich bin kein Rasta!. Ich habe zwar die Bibel gelesen, das neue und das alte Testament, aber das macht einen noch lange nicht zum Rasta, oder so. Da hab ich einfach Respekt vor. Ich würde zwar gern eines Tages hinfliegen, aber ich möchte auch so ein bisschen dahin gerufen werden von den Leuten, also so, dass die da wirklich wollen, dass ich da hinkomme und nicht einfach nur so. Das ist einfach ein kleiner Traum und ich warte so lange, bis das kommt...oder auch nicht.

 



So mal gucken, wie ich jetzt die Kurve kriege... Deine neue Single heisst “Cherry”. Mal ganz doof  nachgefragt: Warum ausgerechnet dieses Obst?
(Lacht) Eigentlich ist das sogar eine gute Frage! Da zeigt sich wieder, dass ich Musik mit dem Herzen mache und mir da die Kirsche als Vergleich mit einer Frau wohl als erstes in den Sinn kam...

Solange dich da nicht Modern Talking mit ihrem Hit “Cherry Cherry Lady” inspiriert haben... ;-)
(Lacht) Ja doch, klar! Vielleicht war es auch deshalb, weil Neneh Cherry mir nach einem Auftritt mal einen Kuss auf die Wange gegeben hat. (lacht wieder) Nee, ich finde Kirschblüten schön und das war einfach eine Hommage und ich hab’s aus dem Herzen geschrieben. Oft fängt man ja hinterher erst an darüber nachzudenken, warum man das eigentlich so gemacht hat.

Wann schreibst du deine Texte?
Wenn ich ein neues Album rausbringen will, setze ich mich hin und fange an zu schreiben. Ich schreibe die Songs meistens an der Gitarre und versuche dann - weil ich selbst auch noch mehr Instrumente spiele - da ein Instrumental dazu zu machen. Das entwickelt sich dann immer mehr. Meistens steht die Hookline zuerst. So war’s beispielsweise bei “Cherry”. Naja, und dann fühlt man einfach, wo es hingehen kann oder hingehen sollte. Manchmal verrennt man sich auch während des Prozesses. Wenn man anfängt kopflastig zu werden, ist es auch nicht mehr so richtig cool Musik zu machen. Man muss immer ein bisschen das Glück abwarten. Deshalb nehme ich mir dafür auch wirklich die Zeit. Wenn ich weiß, ich will Songs schreiben, gehe ich nicht ans Telefon und treffe mich auch nicht mit Leuten, sondern ziehe mich zurück. Ich guck dann auch nur wenig fern, höre kein Radio und keine Musik, damit ich wirklich die Songs aus MIR raushole. Die Inspiration kommt auf jeden Fall immer aus meinem Herzen. Ich bin kein Geschichtenerzähler. Bei meiner Musik möchte ich einfach von meinen eigenen Erfahrungen, also dem, was ICH erlebt habe, erzählen.

Ein Titel auf dem neuen Album heißt “Mr. Sunshine”. Bist DU ein Mr. Sunshine?
Das war für mich einfach eine Anekdote zur Reggae-Musik und diesem Ruf “We need another Moses”. Man braucht einen neuen Heiland, der uns die Wolken weg bläst und den Stress auf der Erde beseitigt, weil hier einfach soviel Lug und Trug ist. Das ist dieser “Mr. Sunshine” für mich. Natürlich gibt es den nicht wirklich und Moses und Co. haben es ja auch nicht geschafft alles besser zu machen. Es ist einfach eine lustige Art damit umzugehen und zu sagen: Ey, eigentlich ist es UNSER Ding als Menschenkinder, dass wir das machen. Da brauchen wir niemanden rufen.

Bist du  ein Realist oder doch eher der Träumer?

Dann bin ich eher der Naturwissenschaftler und weniger ein Träumer. Natürlich träume ich gerne. Ich habe auch viele Visionen und bin sehr kreativ, aber am Ende des Tages bin ich dann doch der knallharte Typ, der aus Reinickendorf kommt. Da gibt es einfach nicht immer Sonne. Man probiert aber mit einem Lachen das Beste draus zu machen.

Insgesamt bist du also schon eher ein sonniger Typ?
Ja natürlich. Ich probiere immer freundlich zu sein und habe auf jeden Fall mein Herz am rechten Fleck. Das ist, denke ich, das Wichtigste. Ich bin ein sehr aufmerksamer Mensch, was vielen in Deutschland schon zuviel ist. Dies ist einfach nicht das Land der Aufmerksamkeit, sondern eher eine Ellenbogengesellschaft. Frei nach dem Motto: “Ich mach mein Ding! Wenn ich das Recht habe, die Vorfahrt zu nehmen, dann nehme ich sie auch. Wenn ich einen Radfahrer umfahre, zahlt ja die Versicherung.” Solche Einstellungen kann ich nicht nachvollziehen und deshalb probiere ich immer, mich nicht so zu verhalten oder so etwas zu unterstützen, sondern versuche den korrekten Weg zu gehen...
        (KIS) (17.07.2010)

Martin Jondo - Skyrider Review

Älteres Martin Jondo Interview (so 2005/06)

http://www.myspace.com/martinjondo

 
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